Nochmal Handy-Romane…
6. Dezember 2007 von ralf
1.187.931.929 Wörter - so viele sind insgesamt zusammen gekommen beim NaNoWriMo (National Novel Writing Month). Bei einer angenommenen durchschnittlichen Wortlänge von fünf Buchstaben hätte der amtierende SMS-Weltmeister etwa 234.653 Stunden (also ca. 27 Jahre) gebraucht. Und er ist nicht einmal Japaner.
Dabei wissen wir doch seit kurzem, dass dieses asiatische Volk ein besonderes Faible für Handy-Literatur zu haben scheint - also Bücher, die auf dem Handy geschrieben wurden und auch dort vornehmlich gelesen werden. Wobei letzteres sich durch neueste Meldungen zu diesem Thema relativiert (und deshalb muss ich es hier noch einmal thematisieren). Die Bestseller unter den Handy-Romanen werden nämlich offensichtlich gern noch einmal als gedrucktes Buch aufgelegt. Der Erfolg ist auch hier mehr als beachtlich: Verkaufszahlen in den Hunderttausenden scheinen keine Seltenheit, laut Welt Online (eigentlich wollte ich einen Beitrag auf SWR3 von gestern hier verlinken, hab ihn aber leider nicht gefunden) sind allein fünf der zehn bestverkauften Bücher des ersten Halbjahres 2007 dem Handy-Genre zuzuordnen. Selbst von einer Verfilmung ist die Rede (vom Titel “Love Sky” sind allein 1,2 Mio. Bücher verkauft worden - auf die deutsche Bevölkerungszahl umgerechnet wären das hier ungefähr 750.000 Exemplare).
Warum blogge ich darüber? Weil ich das Phänomen im wahrsten Sinne des Wortes bemerkenswert finde. Und weil es zeigt, dass neue Medien und Buchformate durchaus ihren Platz haben in der heutigen Gesellschaft. Zum Guten des klassischen, gedruckten Buches im Übrigen. Ohne das Handy wären die besagten fünf japanischen Bestseller nie zu solchen geworden.
Wobei auch ich durchaus bezweifle, dass das Handy-Buch-Phänomen so hier bei uns entstehen könnte. Dafür sind wir als Völker wohl zu unterschiedlich. Siehe hier:
Habe mir den deutschen Handyroman “Lucy Luder und der Mord im studiVZ” besorgt. Anspruchsvolle Themen (Einsamkeit im Internet, Unterdrückung von Frauen) in einfacher Sprache. Dialoge zum Totlachen. Hoffe, dass bald der nächste Band herauskommt. Und dass es insgesamt mehr Handyromane gibt. Oliver Bendel scheint auch “normale” Romane zu schreiben, hab ich aber noch nicht gelesen. Seine Handyromane sind billiger. ;-)
Liebe Anita,
vielen Dank für den Kommentar in unserem Blog - und den interessanten Hinweis auf den Handyroman. Ich bin sehr gespannt, wie sich dieses Genre weiterentwickelt - gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um und gestiegenen Aufmerksamkeit für E-Books. Insgesamt bieten das Internet (auch das mobile), Podcasts, E-Books und auch Portale wie readbox eine Menge Optionen für neue Facetten in der Literatur, was insgesamt dem Markt nur gut tut.
Beschäftigst Du Dich nur aus rein persönlichem Interesse mit diesen Themen oder gibt’s da noch einen anderen Hintergrund? Ich bin natürlich immer daran interessiert zu erfahren, was es “da draußen” sonst so gibt.