Jede 5. neue App im AppStore ist ein E-Book … aber wie profitieren Verlage davon?
3. November 2009 von ralf
… und damit ist die Kategorie “Bücher” inzwischen die größte Einzelkategorie im Store. Torsten hat mich auf diesen Report aufmerksam gemacht, der regelmäßig die Aktivitäten und Entwicklungen im Bereich der Applikationen für iPhone/iPod Touch, Android, Blackberry und JavaME untersucht.
Seit Ende August/Anfang September also haben Bücher die Spitzenposition inne, was die Anzahl der veröffentlichten Apps im iTunes AppStore angeht. Damit ist die Kategorie “Spiele” abgelöst. Im Oktober war jede fünfte veröffentlichte Anwendung ein Buch!
Rechnen wir mal ein wenig: Bei 8.500 neuen Apps pro Woche (Updates eingeschlossen) bedeutet das 1.700 neue Bücher im AppStore pro Woche! 1.700! Selbst wenn 50% der App-Veröffentlichungen Updates wären, blieben immer noch 850 neue Bücher - jede Woche. Über 3.600 neue Titel pro Monat. 44.200 in nur einem Jahr!
Natürlich ist diese Zahl eine weltweite Zahl und den Löwenanteil machen englischsprachige Titel (USA) aus. Klar. Dennoch wird bei dieser Zahl das Dilemma deutlich. Denn es unterscheidet sich nicht wesentlich von der Problematik, mit der der klassische Buchmarkt hierzulande seit Jahren zu kämpfen hat: Das Angebot ist zu groß. Und die Visibilität des einzelnen Titels oder des (zum größten Teil) kleinen Verlags, der nur wenig Werbung für sein Programm machen kann, zu klein.
Wenn man sich das deutsche Angebot einmal ansieht, wird noch ein anderes Problem deutlich. Einzelne Anbieter versuchen, den Markt zu überschwemmen. Mit billigen (oder kostenlosen) Angeboten lizenzfreier Titel, die einzig und allein dem Zweck dienen, immense Downloadzahlen zu generieren, die aber mit der Realität und den Bedürfnissen der Verlage nichts zu tun haben. Am Ende ist auch ein Verlag ein betriebswirtschaftliches Unternehmen, das seine Rechnungen bezahlen muss.
Dazu passt dann auch noch eine andere Zahl: 2,78. US-Dollar. Das ist nämlich der durschnittliche Preis einer iPhone-Anwendung im AppStore. Und damit gleichzeitig die Preiserwartung des Anwenders (von Ausnahmen wie einer Navigationssoftware mal abgesehen, die sich auch für über 60 Euro noch überaus gut verkauft).
In Euro umgerechnet sind das gerade mal etwa 1,88. Ein E-Book für, sagen wir mal, 9,90 Euro würde also die Preiserwartung des Nutzers um das mehr als Fünffache übersteigen. Die Absatzerwartungen für 1:1-Umsetzungen gedruckter Bücher (zu einem entsprechenden Preis) werden sich also eher im überaschaubaren Rahmen bewegen.
Es ist also ein wenig Innovationskraft und Bereitschaft zu neuen Strategien gefordert. Der Distributionsweg AppStore (und Android und all die anderen werden sich nicht wesentlich unterscheiden) ist keiner für E-Books, wie sie bei vielen Verlagen heute diskutiert werden. Mit Premiumpreisen und als reine Umsetzung des bereits gedruckten Buches. Weil sich so für 1,88 Euro kein gewinnträchtiges Modell entwickeln lässt. Was ist also zu tun. Ein paar Ideen: Mal darüber nachdenken, …
- … ob ein Buch immer auch ein E-Book sein muss (oder ob’s nicht in Kapiteln geht - ähnlich wie die Songs einer CD);
- … ob sich durch Nutzung der Eigenarten des Gerätes (wie z.B. GPS, Telefonfunktion, Mail, Video, etc.) ein Zusatznutzen generieren lässt;
- … ob nicht eine kostenfreie Version des Titels Visibilität bringen kann und Verkäufe steigert.
- … [hier eigene Ideen einsetzen]
Und - ja - nicht alle Bücher werden sich vielleicht für diesen Distributionskanal eignen. Aber ich bin sicher, dass es viele Bücher gibt, die sich hervorragend eignen. Weil sich in der E-Book-App eizigartige Funktionen - und damit ein besonderer Nutzen für den Anwender - realisieren lassen oder weil das Buch gerätetauglich und preislich sinnvoll in kleinen, verdaulichen Häppchen vertreiben lässt.
Die Chance ist da. Auch der deutschsprachige Markt wird von der E-Book-Welle, wie wir sie schon heute in den USA sehen, nicht verschont bleiben. Das zeigen allein die Absatzzahlen der entsprechenden Geräte wie iPhone, Android Handys & Co. Wir sind vorbereitet und freuen uns drauf!
