Boston Consulting Group: E-Reader und Tablets - “die MP3-Player dieses Jahrzehnts”
17. Mai 2010 von ralf
Gerade aus dem Urlaub zurück, lese ich diese Schlagzeile (mit Datum 12.5.2010):
E-Readers and Tablets Are Poised to Become Popular Mass-Market Devices, According to New Study by The Boston Constulting Group
Das hat mich natürlich interessiert und so las ich weiter, unter anderem folgendes Zitat von John Rose, Senior Partner & Managing Director und der Chef der “Media & Entertainment”-Sparte bei BCG - ich übersetze mal:
Die Ergebnisse der Befragung legen die Vermutung nahe, dass E-Readers und Tablets keine Nischenprodukte für “Early Adopters” sind, sondern die MP3-Player dieses Jahrzehnts werden können. Großmütter werden diese Geräte bald mit sich herumtragen.
Grund genug, einmal genauer hinzuschauen. Worum geht’s also?
Im März wurden von BCG 12.717 Web-Nutzer (die gleichzeitig Leser von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften sind) aus 14 Ländern befragt, wie die Erwartungen und Pläne mit Bezug auf E-Reader und Tablet Computer sine, unter anderem auch in Deutschland. In jedem Land wurden “mindestens 950 Antworten” gesammelt (mit einigen wenigen Ausnahmen, z.B. Österreich, wo 697 Antworten in die Studie eingingen).
Die Ergebnisse sind überraschend positiv - positiver als viele das bisher wahrhaben wollen. Und auch, wenn man natürlich nicht immer alles 100%ig glauben sollte, was Analysten und Marktforscher kommunizieren, sind die wesentliche Ergebnisse der Studie doch bemerkenswert. So planen
- 49% aller Befragten den Kauf eines E-Readers oder Tablets innerhalb der kommenden 3 Jahre,
- 90% dieser Kaufinteressierten, mit dem Gerät Bücher zu lesen,
- 80% dieser Kaufinteressierten, mit dem Gerät Zeitungen und Zeitschriften zu lesen.
Diese Entwicklung ist allerdings auch an einige Voraussetzungen geknüpft. So muss der Preis der Geräte wesentlich günstiger werden und der Funktionsumfang gleichzeitig noch verbessert werden. Apple ist mit dem iPad da auf einem guten Weg, denn
- 66% aller Befragten würden ein Gerät kaufen, mit dem man lesen, aber gleichzeitig auch im Web surfen, E-Mails bearbeiten, Videos ansehen, Musik hören kann (nur 24% interessieren sich für einen dedizierten E-Reader nur zum Lesen, wie Amazons Kindle).
Allerdings ist der Preis des iPads noch zu hoch, um zu einem wirklichen Massenphänomen zu werden. In den US-amerikanischen Antworten der Studie (bisher der größte Markt für Kindle, iPad & Co.) kristallisiert sich eine Preisakzeptanz für etwa 200 US-Dollar heraus.
Hier nochmal die wichtigsten Ergebnisse grafisch aufbereitet (bitte klicken für eine größere Ansicht):
Gerade im deuschen Buchmarkt ist es ja mit der Durchsetzung von Innovationen immer eher schwierig. Alte Stände zu bewahren scheint immer noch die bevorzugte Strategie vieler Marktteilnehmer zu sein (und es hat seinen Grund, dass Kindle, iBooks Store und andere Angebote in Deustchland noch nicht erhältlich sind). Zahlen wie diese zeigen aber deutlich - auch wenn Sie sich vielleicht nur zu einem Teil bewahrheiten - dass nun klare Strategien für das digitale Zeitalter der Buchbranche gefragt sind. Die Welle kommt - vielleicht schneller und heftiger als viele das bisher annehmen …
(Quelle: Pressemeldung von The Boston Consulting Group via The Big Money via The Hufington Post)
