… rund 332 Mio € nämlich, aber der Reihe nach:
Die Buchmesse naht, man merkt es nicht zuletzt an der gestiegenen Nachrichtendichte zum Thema Bücher und - seit Jahren das Lieblingsthema der Medien - eBooks. So zeigt eine aktuelle Sonderstudie der AGOF Bücher als das Top-Produkt im Internet. Quasi gleichzeitig veröffentlicht das Beratungsunternehmen PriceWaterhouseCoopers die Ergebnisse einer Befragung deutscher Konsumenten zum Thema eBooks. Dort gibt es viel Hoffnungsvolles, aber auch warnende Worte:
Die deutsche Buchbranche droht, die Digitalisierung zu verschlafen.
Zu hohe Preise für eBook-Ausgaben, die Preisbindung und die Benachteiligung der digitalen Bücher durch die volle Mehrwertbesteuerung sind hier zu nennen. Wobei wir uns als Hersteller und Auslieferer von eBooks für Verlage besonders über den ersten Punkt (”zu hohe Preise”) schon immer noch und immer wieder wundern müssen.
Ich will aber auch gleich die positive Nachricht hinterher schieben: eBooks in Deutschland werden sich nach der Voraussage von PriceWaterhouseCoopers nämlich in den kommenden Jahren mit >77% durschnittlichem jährlichem Wachstum deutlich positiv entwickeln und im Jahr 2015 (betrachtet wurde hier nur der Bereich Belletristik) immerhin rund 6% Marktanteil erreicht haben.
In harten Zahlen ausgedrückt heißt das: 20 Mio € Martvolumen in 2010, fünf Jahre später aber schon 352 Mio €. Langsamer als in USA, Japan oder China, aber immerhin …

Umsatzentwicklung eBooks in Deutschland (Belletristik) 2010-2015
Aber mal zurück zu kritisierten eBook-Preisen:
Um es noch mal ganz klar und deutlich zu sagen: Digitale Bücher sind notwendigerweise günstiger in der Herstellung und im Vertrieb, denn die Stückkosten in diesen Bereichen sind eher marginaler Natur. Storage (Speicherplatz) ist z.B. bei Amazon S3 für 0,15 US$ pro Gigabyte zu haben (selbst wenn wir ein sehr speicherintensives epub mit vielen Bildern und Illustration aus unserem Portfolio als Beispiel nehmen, kommen wir bei der Datenhaltung von rund 6 MB auf Kosten i.H.v. 0,0009 US$ für diesen Titel). Mehr als die eine Datei (pro Format) muss ich auch nicht vorhalten, denn Kopien werden bei Bedarf gemacht - on Demand eben. Und der Vertrieb ist auch übersichtlich zu gestalten - Vertreter brauch’ ich auf jeden Fall nicht für den digitalen Vertrieb. Mal zu schweigen davon, dass die Honorare im digitalen Vertrieb für die Verlage durchaus attraktiver sein können als in der Distribution physikalischer Bücher.
Also: geringere Kosten und höhrer Honorare pro Verkauf? Klingt nicht unbedingt nach einer schlechten Idee - wenn man denn nicht an einen Dienstleister gerät, dessen Geschäftsmodell auf dem Ausnutzen der Unwissenheit der Verlage basiert. Die gibt’s nämlich auch - und dann wird auch relativ schnell klar, warum viele eBooks in Deutschland noch so zu teuer sind. Denn wer monatlich (!) mehrere Hundert Euro pro Titel zu zahlen hat, der muss natürlich auch entsprechende Preise machen, um überhaupt (theoretisch) jemals in die Profitabilität zu kommen.
Dabei kann’s auch anders gehen: Bei uns gibt’s 100 Seiten für 80 Euro, einmalig, Herstellung UND Auslieferung inklusive. Ab dann wird Geld verdient.
Insofern bleibt zu hoffen, dass nicht nur das Angebot der Geräte und eBook-Shops noch besser wird, sondern auch die Anzahl der verfügbaren Titel. Wir jedenfalls arbeiten dran.